Ein Tag in der Gemeindeorientierten Sozialen Arbeit (GSA) im Caritas-Zentrum Neuhausen/Moosach

8:15 Uhr: es warten schon 3 Anrufer auf Rückruf bzgl. Ausweis Münchner Tafel; letzte Woche haben wir die Berechtigungsausweise ausgestellt. Diese Personen konnten nicht kommen, fragen, ob noch Ausweise frei sind und was sie mitbringen müssen; Termine beider GSA-Verwaltungskraft Anita Stauber für Dienstagnachmittag für sie vereinbart.
8:30 Uhr: aufgeregter Anruf von Frau G, einer alten Dame, auf die mich die Pfarrei St.Benno aufmerksam machte, ich war letzte Woche bei ihr zum Hausbesuch; ihr Mann ist dement und kam ins Pflegeheim, jetzt geht es mit den Finanzen drunter und drüber; sie will, dass ich mit der Tochter heute telefoniere, weil sie frei hat; ich vereinbare mit der Tochter für heute einen persönl. Termin für 11 Uhr.
8:45 Uhr: Herr T. ruft an, er ist bei mir in Beratung wegen Schulden; nun zieht er nach Berlin um und will, dass ich mit der dortigen SB telefoniere und eine Bestätigung schreibe, damit er schneller einen Termin bekommt; er wird Privatinsolvenz beantragen.
9:00Uhr: Die Zentrumsleitung stürzt in mein Zimmer und fragt, warum mein Budget für Personal im 3. Quartal soweit überzogen ist. Dank unserer Buchhaltungskraft lässt sich schnell klären, dass es nicht mein Fehler war, sondern Kosten vom Verband falsch gebucht wurden, ufff!
9:15 Uhr: Anruf von Frau V., ihre Waschmaschine ist kaputt, sie kann sich keine neue leisten, da sie alleinerziehend ist und Alg 2
erhält. Außerdem fährt ihr Kind demnächst ins Skilager, wie sie das finanzieren soll. Kurze Beratung am Telefon, dass ARGE für mehrtägige Schulausflüge zahlen muss und Terminvereinbarung bei mir für Donnerstag. Evtl. können wir etwas von Sammlungsgeldern für sie auszahlen und Stiftungsmittel beantragen.
9:30 Uhr: der Kollege Ralf von der ambulanten Pflege spricht mich an. Er hat den Erstbesuch bei einer alten Dame gemacht, sie ist alleinstehend und braucht Hilfe beim Widerspruch, da ihr Pflegestufe 1 abgelehnt wurde, sie aber Pflege benötigt. Ich rufe bei der Frau an und vereinbare einen Hausbesuch. Dann, ein schneller Kaffee zwischendurch und Arbeiten am PC (Email und Dokumentation)
10:00 Uhr: Frau D. kommt zur Beratung: sie ist völlig aufgelöst und weint; ihr Lebenspartner hat ständig Affären mit anderen Frauen, sie haben sich schon mehrmals getrennt, jetzt scheint es endgültig zu sein; er ist ausgezogen und es entwickelt sich ein "Rosenkrieg" um Unterhalt und das Sorgerecht für den gemeinsamen 5-jährigen Sohn; ich versuche in dem 1-stündigen Gespräch Perspektiven mit ihr zu entwickeln; außerdem vereinbaren wir einen Beratungstermin bei dem uns (neu) unterstützenden Rechtsanwalt Herrn Reichlmair, der am Donnerstag für 2 Stunden an unserer Stelle sein wird und kostenlos berät. Als sie geht, sagt sie, sie fühle sich jetzt besser, etwas erleichtert und nicht mehr so konfus.

Die Caritas engagiert sich am Pfarrfest
mit einem eigenen Stand

11:00 Uhr: Frau R. hat viele Papiere dabei. Der Vater ist seit 2 Monaten im Pflegeheim, er hat einen gesetzlichen Betreuer; die Mutter hat nur 300 € Rente, der Vater hat 1200 €. Wovon soll die Mutter künftig leben, muss sie Grundsicherung (früher Sozialhilfe) beantragen? Nein; der Bezirk muss, neben der Pflegekasse soviel zahlen, dass ihr ein Teil der Rente des Mannes bleibt; aber vorher muss sie ihr Sparbuch bis auf ca 3100 € aufbrauchen und die Kinder werden finanz. überprüft und können herangezogen werden; ich telefoniere mit dem Betreuer, dem Sozialbürgerhaus und schließlich mit der Mutter, um sie zu beruhigen. Wir vereinbaren einen Folgetermin um weitere Formulare auszufüllen, Frau R. fühlt sich alleine überfordert.
12:00 Uhr: eine Kollegin aus dem Caritas-Zentrum Westend ruft an, sie arbeitet im Migrationsdienst und wir haben das gemeinsame Projekt "Westhausen". Dies ist eine Freizeit- und Integrationsgruppe für vereinsamte und mittellose Klienten ( mit ca 4 bis 5 Unternehmungen/Aktionen pro Jahr); wir hatten einen Vorbereitungstermin für die nächste gemeinsame Aktion geplant, den müssen wir nun verschieben, da sie an dem Tag zu einer PC-Schulung geschickt wurde. Nach der Mittagspause finde ich in der Post ein Antwortschreiben eines Gläubigers von Frau S. Dieser hat einen Vergleich abgelehnt. Ich rufe Frau S. an, um sie zu informieren und das weitere Vorgehen zu besprechen.
13:15 Uhr: ein junge Frau kommt in Beratung, sie wurde mir von einer Caritas-Sammlerin aus Christkönig geschickt; zu hause gab es große Probleme, sie musste schnell ausziehen und jetzt ist unklar, wie es mit Wohnung, Geld und Ausbildung weitergeht. Erstmal kann sie bei einer Freundin wohnen; ich zeige ihr die Möglichkeiten und nächsten Schritte auf und sage ihr meine Hilfe zu; zunächst muss sie sich die Vorschläge und Konsequenzen durch den Kopf gehen lassen. Wir vereinbaren einen Folgetermin.
14:00Uhr: jetzt muss ich aber rasch los, vor dem Arbeitsamt wartet jemand auf mich. Ausnahmsweise nehme ich mir die Zeit, einen jungen Migranten zum Arbeitsvermittler zu begleiten. Er hat sich ehrenamtlich bei uns engagiert und einen behinderten Mann zu hause besucht. Gerne würde er eine Ausbildung zum Altenpfleger machen, jetzt geht es darum, das Arbeitsamt zu überzeugen, die Ausbildung zu finanzieren. Das Gespräch verläuft ganz zufriedenstellend, allerdings wird der Klient von der Arbeitsagentur zunächst einen Termin für den Eignungstest erhalten.
15:15 Uhr: zurück im Büro erreicht mich ein Anruf vom Wirt der griech. Taverne Avli; er möchte am 6.12. eine Benefizveranstaltung zu Gunsten unseres Caritas-Zentrums machen, im Hof mit Glühwein und Stollen; wie ich das finde, super!! Ob ich nicht möglichst bald einen Flyer entwerfen und ihm zeigen könnte, sein deutsch sei nicht perfekt; wird gemacht, auch bei der Werbung werden wir natürlich aktiv sein; diese griechische Taverne ist sehr sozial engagiert, schon jetzt können wir monatl. 5 Hilfebedürftige zu einem kostenlosen Mittagessen mit Getränk hinschicken.
Ich erledige noch ein paar Rückrufe, schreibe einen Brief, bespreche mich mit der Verwaltungsmitarbeiterin. Ach ja, und dann muss ich ja für die Mitgliederversammlung am Mittwoch noch was vorbereiten…….
So schließt sich der Kreis. Ziel unserer Arbeit: Menschen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, Netzwerke knüpfen. Das gelingt, wenn wir uns vor Ort gut auskennen und mit Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen und Unterstützern konstruktiv zusammenarbeiten können.

28.10.09
Andrea Heimann, Dipl. Sozialpädagogin
GSA Neuhausen
Caritas-Zentrum Neuhausen/Moosach

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