P. Jose Kannanaikkal MSFS,
Seelsorger


Liebe Leserinnen und Leser,


Als ich gebeten wurde, das Grußwort für diesen Pfarrbrief zu schreiben, fiel mir sofort das Wort "Effata" – "öffne dich" ein. Im Vergleich zur lateinischen Kirche wird in der Ostkirche, besonders der Syro-malabarischen Kirche, zu der auch ich gehöre, dem Heiligen Geist eine größere Bedeutung beigemessen. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Angst vor allem Fremden geschürt wird, ist es wichtig, dass wir offen sind für die Wirkung des Heiligen Geistes. "Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht." (Joh 3,8). Im Roman "Parallelen der Liebe" von Aldous Huxley (1894-1963) lesen wir: "Der Geist muss offen sein [...] frei von unwichtigen Dingen und völlig ruhig. Es ist kein Platz für Gedanken in einem angestopften Hirn voll Lärm. Wo der Mensch seinen Geist mit so viel irdischem Kleinkram füllt, dass Gott darin keinen Raum mehr findet, da begeht er die Sünde wider den Geist." Paulus empfiehlt deshalb in seinem Brief an die Römer: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne und Töchter Gottes." (Röm 8,14).

entflammt...

Effata! Dieses Wort aus dem Taufritus ist – übertragen auf unsere heutige Alltagssituation – Gottes Auftrag an uns Christen, offen zu sein für seine Liebe und für die Liebe zu unseren Mitmenschen, und ich glaube, dies ist heute berechtigter denn je.
Effata – das bedeutet, wir sollen die Ohren öffnen für Bitten, die an uns herangetragen werden, und gut hinhören auf die leisen Zwischentöne oder gar das Unausgesprochene.
Wir sollen den Mund öffnen – also unsere Stimme erheben, für die Alten, Kranken und sozial Benachteiligten, damit sie menschenwürdig behandelt werden, und für die vielen Flüchtlinge, die bei uns eine neue Heimat suchen, damit sie freundlich aufgenommen werden.
Und wir sollen die Augen öffnen, den Blick schärfen und hinschauen, wo Gewalt entsteht.
Für die kommende Zeit wünsche ich uns allen, dass der Heilige Geist in uns wirkt, uns von unnötigem Ballast im Kopf befreit und uns Ohren, Mund und Augen öffnet.

Ihr Seelsorger
P. Jose Kannanaikkal MSFS

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