Gruppenstunde vs. Schule

"Lasset die Kindlein zu mir kommen" steht schon in der Bibel geschrieben und so ähnlich könnte früher das Motto der jährlichen Vorstellung der Pfarrjugend bei den Erstkommunionkindern gelautet haben. Da stellen junge Gruppenleiter die Aktionen der Jugend vor und spielen zusammen mit
den Kindern ein paar Gruppenspiele, um sie dann ein paar Wochen darauf in ihren Gruppenstunden willkommen zu heißen. Doch heutzutage wird "Kindlein zu [uns] kommen lassen" immer schwieriger.
Die Pfarrjugend leidet ebenso wie andere Gruppierungen der Pfarrei sehr unter mangelndem Nachwuchs; denn seit Jahren sinkt die Zahl der Erstkommunionkinder und Firmlinge. Diese Entwicklung hat unter anderem auch demographische Gründe, spiegelt aber auch die schwächer werdende Rolle der Kirche in der Gesellschaft und Erziehung wider. Mittlerweile sind Gruppenstunden mit weniger als 6 Kindern nichts Besonderes mehr (vor ein
paar Jahren waren es mind. 10!). Wenn es also weniger potentielle Gruppenkinder gibt, müssten eben mehr von jenen überzeugt werden, die sich firmen lassen oder die Erstkommunion empfangen. Aber auch das stellt sich als nicht einfach heraus:

Gruppenleiterrunde

So wird das Werben um Gruppenkinder und Jugendliche zu einem Konkurrieren gegen Sportverein, Instrumentalunterricht, das verstaubte Image der Kirche und vor allem gegen den zunehmenden Leistungsdruck der Schule. Denn wenn Eltern die schulische Leistung in Gefahr sehen, fällt dem zuallererst die Gruppenstunde zum Opfer (vom Ministrieren ganz zu schweigen). Schade eigentlich, da die Gruppenstunde und die Pfarreiarbeit eher eine Bereicherung als Belastung sein kann und ein ehrenamtliches Engagement in Jugendjahren auch später im Lebenslauf gern gesehen ist.

Zeltlager 2010

Bei unseren Gruppenleitern sieht man zahlenmäßig einen gegenläufigen Trend: Selten gab es so viele junge Erwachsene, die in der Jugend aktiv sind und nur so waren Großaktion, wie unser Zeltlager mit 75 Teilnehmern, Gruppenwochenenden, WM-Public-Viewing, Bar-Unterstützung beim Fasching , Pfarreipartys, Glühweinverkauf u.v.m. möglich. Doch wer sich die Jugend-Aktionen der letzten Monate anschaut, wird bemerken, dass die Veranstaltungen auch zunehmend für junge Erwachsene und immer seltener für Kinder geeignet sind. Vielleicht muss man dort wieder anpacken um mehr zu begeistern?
Um mehr Jugendliche nach ihrer Firmung zu gewinnen, findet im April das erste Mal ein Jugendwochenende in Landshut statt, auf das sowohl Gruppenleiter als auch besonders Firmlinge mitfahren, um sich zu entspannen, kennenzulernen, zu reden, etc.. Ein guter Ansatz, um Jugendliche im "schwierigen" Alter von einer Arbeit zu überzeugen, die in den Augen vieler Jugendlicher als altbacken und unmodern gilt? Muss man abwarten, aber sicherlich wird’s ein lustiges Wochenende.

Kaplan Robert Baumgartner

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