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Spiel – Musik – Bewegung: Das Dreifuß-Modell des Kindergartens St. Martin
Seit September 2008 befindet sich im Kindergarten
das Dreifuß-Modell in der Probephase.
Kernelement dieses pädagogischen
Ansatzes ist das angeleitete Spiel.
Geigen, Gitarren, Monochorde und Trommeln
liegen in der Mitte des Pfarrsaales,
drum herum die 100 Kindergartenkinder, die
wieder einmal am Ende einer Musikwoche
zeigen, was sie gesungen, gereimt und musiziert
haben. Für die anwesenden Eltern ist
dieser Freitagmorgen Anfang Februar ein
kleines Ereignis – aber längst nichts Außergewöhnliches
mehr.
"Bereits im Kindergartenjahr 2008/2009 haben
wir mit unserem Dreifuß-Modell begonnen",
erläutert Barbara Mock, die Leiterin
des Kindergartens St. Martin, "und dieses
Probejahr hat Kinder und Kindergartenteam
so stark weiterentwickelt, dass wir dieses
Projekt unbedingt fortführen wollen."
Innovativ an diesem Ansatz ist, dass externe
Fachkräfte – die Psychomotorikerin Ulrike
Weber und der Musikpädagoge Rudolf Geigenfeind – ihr Fachwissen nicht nur in der
Beschäftigung mit den Kindern anwenden,
sondern dieses auch in Form von Weiterbildungen
dem Kindergartenteam vermitteln.
Begleitet werden Dreifuß-Modell und Kindergartenteam
durch regelmäßige Supervisionen,
die die Integration in den Kndergartenalltag
sicherstellen.
Die Essenz dieses Modells ist die Weiterentwicklung
des ko-konstruktiven Spiels. Was
so abstrakt und kompliziert klingt, ist leicht
erklärt: "Ko-Konstruktion bedeutet, dass wir
die Individualität des Kindes erkennen, den
einzelnen Persönlichkeiten liebevoll entgegentreten
und mit spielerischen Methoden
sinnvoll die Welt begreifen", erläutert Barbara
Mock.
Für die Kindergartenkinder gehören die Psychomotorik-
Stunden bei Ulrike Weber mittlerweile
zu ihrem Alltag. Einmal pro Woche können sie dort in Kleingruppen Körper-,
Material- und Sozialerfahrung sammeln,
Kompetenzen weiterentwickeln und dadurch
ihre Vorstellungen eigenständig umsetzen
und nutzen.
Sechs mal pro Jahr kommt Rudolf Geigenfeind
mit seinem Projekt "Via Musicale" in
den Kindergarten. Dann kann jede Gruppe
eine Stunde am Tag unter seiner Anleitung
singen und musizieren. Um den Kindergarten
mit mehr Instrumenten auszustatten
bauen einige Eltern gemeinsam mit dem Musikpädagogen
Instrumente: vier Monokorde
und vier Trommeln sind bereits fertig, nun
entsteht gerade ein Brummbass.
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| Herr Geigenfeind mit seinen "Musikanten" |
"Ganz wichtig ist es für uns, die Eltern kontinuierlich
in diese Arbeit einzubinden – zahlreiche
Elternabende bestätigen, dass die Eltern
ein großes Interesse an unserem Projekt
haben. Darüber hinaus arbeite ich daran, die
Kontakte zu weiteren Institutionen und Verbänden
zu intensivieren und zu uns passende
Partner und Projekte ins Boot zu holen. Ein ‚Netzwerk für Kinder’ ist bereits im Entstehen.
Diese Kompetenzen können wiederum
andere Kindergärten zur Unterstützung ihrer
Arbeit nutzen.", erklärt Frau Mock.
Dass diese Vorgehensweise erfolgreich ist,
zeigt ein weiteres Projekt, das gerade konzipiert
wird: "KINDERleicht – Essen & Trinken"
des Vereins impetusGOL.
Einziger Wermutstropfen: Trotz des Beschlusses
des Trägers - der Kirchenverwaltung
St. Martin – das Dreifuß-Modell fortzuführen,
steht die Finanzierung in Teilen
noch nicht fest. Eine großzügige Spende
eines Münchner IT-Unternehmens sichert
zwar einen Anteil, große Hoffnungen setzt
Barbara Mock aber auf die Ordinariatsrätin
Dr. Elke Hümmeler und den Landtagsabgeordneten
Joachim Unterländer, der schon in
der Vergangenheit Kontakte hergestellt hat.
Die Kindergartenleiterin bleibt optimistisch: "Ich hoffe sehr, dass wir Lösungen für dieses
Finanzierungsproblem finden werden. Vielleicht
lassen sich über unsere Kontakte noch
Fördermittel auftreiben, vielleicht finden
sich benachbarte Unternehmen, denen das
Engagement für Kinder am Herzen liegt. Ich
jedenfalls gebe die Hoffnung nicht auf, dass
wir unser Dreifuß-Modell St. Martin fortführen
können."
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| Fr. Weber "in Bewegung" |
Ulrike Weber und Rudolf Geigenfeind im
Gespräch
Musik und Bewegung ergänzen das Herzstück
- das Spiel - des Dreifuß-Modells St.
Martin. Ulrike Weber, Psychomotorikerin,
und der Musikpädagoge Rudolf Geigenfeind
erläutern ihre Arbeit.
Ulrike Weber
"Freude an der Bewegung" ist oberstes Prinzip
von Ulrike Weber. Die Übungsleiterin
für Turnen hat sich bereits vor 15 Jahren mit
Motopädagogik, heute Psychomotorik genannt,
beschäftigt. Im Kindergarten bietet sie
seit zwölf Jahren für eine begrenzte Anzahl
von Kindern Psychomotorik-Stunden an; außerdem
ist sie im OSC München (Olympischer
Sportclub) für das Turnen verantwortlich.
Rudolf Geigenfeind
Der Musikpädagoge gründete 2006 gemeinsam
mit der Musikwissenschaftlerin und
-Therapeutin Viola Bühler die Firma Edu-Cultura, die vielfältige Zugänge zur Musik
anbietet. Sein Konzept "Via Musicale" unterstützt
eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung
durch authentisch-integratives
Musizieren.
Was bedeutet eigentlich Psychomotorik
und was lernen die Kinder in diesen Stunden?
Weber: Körper, Geist und Seele stehen in
ständiger Wechselwirkung und deshalb verfolgt
die Psychomotorik einen ganzheitlichen
Ansatz. Über die Bewegung kann man
sehen, was ein Kind denkt und fühlt. Ich trete
mit den Kindern in Dialog, baue eine Beziehung
zu ihnen auf – und das Medium dazu ist
die Bewegung.
Ich gebe jeder Stunde den gleichen Rahmen:
Die Kinder ziehen sich um und wir treffen uns im Sitzkreis. Da besprechen wir das Thema
der Stunde, überlegen, welches Material
und welche Geräte wir benötigen und jeder
kann sich etwas heraussuchen und ausprobieren.
Diese Idee stellt das Kind dann der
Gruppe vor. Dadurch erfährt das Kind "ich
kann etwas bewirken", stärkt damit seine
Ich-Kompetenz und in der Folge seine Sozialkompetenz.
Ich selber baue auch etwas
auf und verbinde die Impulse der einzelnen
Kinder miteinander. Am Schluss gibt es eine "Bewegungsbaustelle", der Pirat turnt zum
Beispiel oben auf dem Mastkorb, die Affen
klettern herum. Die Kinder gehen in diesem
Spiel auf, schlüpfen in die verschiedenen
Rollen und trauen sich dadurch immer mehr.
Wichtig ist mir, dass sie Bewegung freudvoll
erleben. Wir beenden die Stunde mit einem
Spiel oder Entspannung.
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| Das Spiel hat seinen gleichwertigen Platz |
Geigenfeind: Ich kann hier unmittelbar anknüpfen,
mir ist es auch ganz wichtig, dass
Kinder sich selbst entwickeln können und dies im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes
geschieht.
Ich habe im Laufe meiner beruflichen Laufbahn
eine eigene Art des Musizierens entwickelt:
ein freies Musizieren, das auf die seelische
und die praktische Situation des Kindes
eingeht. Die Musik bringt die drei Ebenen –
Körper, Geist und Seele – zum Ausdruck und
fördert sie. Dazu verwenden wir verschiedenste
Instrumente und die Kinder zupfen,
streichen und blasen.
Auch meine Stunden sind gegliedert in Sprechen
– Singen – Bewegen, wobei diese Reihenfolge
bei Bedarf auch geändert werden kann und entsprechend der aktuellen Seelenlage
der Kinder miteinander verbunden
werden.
Das Ende jeder Stunde ist gleich: Wir singen
ein Schlusslied und die Kinder gehen wieder
in ihren Gruppenraum.
Das Besondere an der Geigenfeind-Methode
ist: Meine Kinder dürfen Musik SPIELEN,
dürfen ein Instrument SPIELEN, im ursprünglichen
Wortsinn.
Weber: … das deckt sich mit dem Ansatz der
Psychomotorik: Die Kinder probieren sich
im Spiel aus, bestätigen sich, lernen sich kennen.
Und darum ist Spiel so wichtig – Kinder
brauchen es für ihre Entwicklung.
Stichwort Weiterentwicklung und inneres
Wachstum der Kinder…
Geigenfeind: Ich beobachte bei den Kindern
die Reihenfolge etwas kennenlernen – üben
– beherrschen – weitergeben, das sind die
Montessori-Stufen. Mir ist aufgefallen, dass
es manchmal sogar zu einem Rückschritt
kommt, bevor etwas Neues angegangen wird
– so eine Art Atemholen.
Weber: In meinem Bereich würde ich es
nicht als Rückschritt, sondern als Innehalten
bezeichnen: Bewegung – Ruhe – Bewegung
– Ruhe, das ist eine ganz natürliche Abfolge.
Ich sehe, dass die Bewegungen bei den
Kindern flüssiger werden, sie ihre Aufgaben
noch einen Schritt schwieriger gestalten und
dass die Freude wächst.
Heike Stegert
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