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Die Kirchenverwaltung: Ein Job für
Leute mit Finger-spitzengefühl
Wie in allen bayerischen Pfarreien wurde auch in St. Martin Ende
vergangenen Jahres eine neue Kirchenverwaltung gewählt. Die
Wahl bestätigte die Mitglieder, die in den vergangenen sechs
Jahren dieses Ehrenamt ausgefüllt hatten. Wie verantwortungsvoll
es ist, beschreibt Kirchen-verwaltungsmitglied Helga Eder: "Mich
beeindruckt, welche großen finanziellen Aufgaben unsere Pfarrei
zu stemmen hat: Von der aufwändigen Reparatur eines Wasserabflusses
über die Instandhaltung des Alten Friedhofs bis hin zu Nachbesserungen
der Kindergartenrenovierung. Von diesen vielfältigen Aufgaben
- besonders auch mit anspruchsvollen Behörden - erfahre ich
in der Kirchenverwaltung; denn sie werden quasi alle hinter den
Kulissen von ergreifenden Gottesdiensten und von heiteren Feiern
erledigt."
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Die Kirchenverwaltungsmitglieder
von links:
Msgr. Martin Cambensy, Dr. Hans Plößl,
Udo Reiner, Helga Eder, Helmut Herzog,
Reinhold Fischer, Caren Ringer,
Friderike Schwarzbaur, Georg Scheuerer |
Der kleine Wirtschaftsbetrieb
Die Hauptaufgabe der Kirchenverwaltung besteht darin, dem Pfarrer
zur Seite zu stehen bei der "Befriedigung der ortskirchlichen
Bedürfnisse", wie es so schön im Bürokratendeutsch
heißt. Das bedeutet im Klartext: Die Kirchenverwaltung stellt
die finanziellen Mittel der Pfarrei bereit, damit ihre seelsorgerlichen
Aufgaben erfüllt werden können. Dieses Kontrollgremium
leitet immer der Kirchenvorstand; in St. Martin führt es von
Amts wegen Pfarrer Martin Cambensy. Das Instrument der Überwachung
ist der Haushalt der Kirchenstiftung St. Martin oder umgangssprachlich
der Pfarrei St. Martin. Die Kirchenverwaltung erstellt den Haushaltsplan
jährlich, legt ihn dann öffentlich aus und läßt
ihn erst mit der Unterschrift der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden
Ursula Heilmeier in Kraft treten. Dem Plan zugrunde liegen die Einnahmen
und die Ausgaben der Pfarrei, die am Jahresende ausgeglichen sein
sollten. Dabei berücksichtigt der Haushaltsausschuss der Kirchenverwaltung
sowohl die seelsorgerlichen Prioritäten als auch die erforderlichen
Maßnahmen für die Gebäude und deren Unterhalt. Finanzspezialist
Georg Scheuerer meint dazu: "Ich gestalte den Haushalt mit.
Das ist angesichts der jährlich steigenden Kosten eine kleine
Zauberei. Denn das Ordinariat hält seine Zuschüsse seit
einiger Zeit auf gleichem Niveau. Die Pfarrei ist ein kleiner, wenn
auch besonderer Wirtschaftsbetrieb, der Kostendisziplin erfordert.
Das ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen." Die Wirkung
der steigenden Sachkosten erfuhr die Gemeinde am Beispiel der Heizung:
Auf diesem Konto hatte sich im Jahr 2003 ein Betrag von 20.000 €
angesammelt, denn das einmalige Erwärmen der Neuen St. Martinskirche
kostet im Winter 200 €. Damals wurde das Finanzloch aus den
Rücklagen gestopft, mittlerweile sind die Rücklagen der
Pfarrei aufgebraucht und die Heizung musste kühler eingestellt
werden.
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| Unser renovierter Kindergarten |
Der Pfarreibesitz
Die Kirchenverwaltung kümmert sich nicht nur um die ein- und
ausgehenden Gelder, sondern auch um das Stiftungsvermögen. Im
Fall von St. Martin sind das die zwei Kirchen, das Pfarrheim samt
Pfarrbüro und -haus sowie ein Mietshaus, in dem die Büroräume
der Caritas und Dienstwohnungen untergebracht sind. Dazu kommt sämtliches
Inventar wie Altar und Stele, Kelche und Kreuze, aber auch Mobiliar,
Büroeinrichtung und Küchen. Helmut Herzog berichtet: "Bei
Bedarf helfe ich die Inventarliste zu aktualisieren. Darüber
hinaus habe ich schon viel erlebt mit Reparaturen. Einmal im Jahr
gehe ich zusammen mit anderen zum Friedhof der Alten Kirche und rüttele
an den Grabsteinen, ob sie niemanden gefährden."
Der eigene Kindergarten
Die Pfarrei St. Martin betreibt auch einen Kindergarten mit hundert
Plätzen und neun Angestellten. Dafür erstellt die Kirchenverwaltung
einen eigenen und unabhängigen Etat, dessen Personalkosten bisher
zu 80% aus öffentlichen Zuwendungen finanziert werden. Die Elterngebühren
decken den Rest einschließlich des Gebäudeunterhalts. Friederike
Schwarzbaur erinnert sich: "Es hat mir gut gefallen, in den vergangenen
sechs Jahren etwas gestalten zu können. Deshalb interessiere
ich mich wieder für eine Mitarbeit im Haushaltsausschuss und
bei den Personalfragen."
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| Hauptaufgabe: Gottesdienst |
Die Aufgaben der Pfarrei
Das Kerngeschäft einer Pfarrei besteht in der Seelsorge. Die
katholische Kirche versteht darunter vor allem die würdige Feier
des Gottesdienstes. Das ist zusätzlichen Aufwand wert: Für
die besondere Ausgestaltung des Osterthemas etwa, für den Adventskranz
und seine Aufhängung, für den Blumenschmuck allgemein, für
die Fahnen und Prozessionen, für die kostenlosen Ostereier, für
die Messen mit professionellen Orchestermusikern.
"Das besondere an der Schöpfung ist das Zusammenwirken von
geistlichen und materiellen Dingen. Insofern betreibt die Kirchenverwaltung
auch Seelsorge. Geld für die Jugendräume öffnet Lebensräume
für unsere jungen Menschen, in denen sie wertvolle Erfahrungen
der Gemeinschaftsbildung machen können," beurteilt Pfarrer
Martin Cambensy die Arbeit der Kirchenverwaltung.
Zu den Aufgaben zählt noch die weitere Seelsorge wie die Vorbereitung
für die Sakramente Erstkommunion und Firmung und die Gemeindearbeit.
Wobei die Jugendarbeit besonders bezuschusst wird - etwa bei einer
Weiterbildung oder bei einer Fahrt, da den Minderjährigen noch
keine vollen Beitragssätze zuzumuten sind. In den Gruppierungen
der Erwachsenen wird so kostendeckend gearbeitet, dass nur der Abend
der Begegnung, also das jährliche Dankeschön der Pfarrei
an alle Ehrenamtlichen, zu Buche schlägt. 2007 sollen für
die Pfarreiaufgaben Liturgie und weitere Seelsorge einzelne Budgets
aufgestellt werden, um diese Kosten besser zu steuern. Im Jahr 2003
durften sie alle zusammen nur 17% des Gesamtetats betragen (bei einem
Gesamtbetrag von 291.000 €), deswegen wurde dieses Kostensegment
auch am häufigsten überschritten.
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Unsere "guten Geister":
Hr. Leschinski und Hr. Grieshaber |
Die eigenen Angestellten
Um den allgemeinen Ablauf der Seelsorge zu garantieren, sind in St.
Martin - der größten Pfarrei Münchens immerhin,
nicht weniger als neun eigene Personalstellen vorgesehen: Ein Hausmeister
und ein Mesner, zwei Putzkräfte, zwei Sekretärinnen (mit
einer Aushilfskraft), eine Buchhalterin sowie ein Kirchenmusiker.
Um ihn einzustellen, wurde 2006 ein eigener Personalausschuss gebildet
aus Fachleuten vom Kirchenchor, der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat
(PGR). Sie sprachen nach Abschluss aller Bewerbungsgespräche
eine Empfehlung aus, auf deren Grundlage die Kirchenverwaltung als
Ganzes entschied und der Pfarrer letztendlich Sebastian Adelhardt
einstellte. Dr. Hans Plößl fasst seine Erfahrungen zusammen:
"Ich bin heuer genau dreißig Jahre bei der Kirchenverwaltung.
Gelegentlich kann ich mit meinen juristischen Kenntnissen die Diskussionsergebnisse
bereichern, und als eingeheirateter Moosacher habe ich mich immer
gern für die Moosacher Belange eingesetzt. Deshalb habe ich mich
auch dafür stark gemacht, dass die Caritas noch ein Bein in der
Pfarrei behält."
Die Kosten für die Angestellten der Pfarrei haben sich in drei
Jahren von 51 auf 53% des Etats erhöht bei gleichbleibenden Einnahmen.
Die Gehälter des Seelsorgeteams also für Pfarrer,
Kaplan, Diakon sowie Gemeinde- und Personalreferenten werden
vom Ordinariat übernommen. Die Verwaltungsangestellten und die
Seelsorger haben fünf Prozent des Gesamthaushaltes für Sachmittel
zur Verfügung, um ihre bürokratischen Aufgaben zu erfüllen.
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| Aufbau der Stele in der
Pfarrkirche |
Die eigenen Gebäude
Für die Instandhaltung der Pfarreigebäude sind 18% des Haushaltes
vorgesehen. Ersteinmal werden kleinere und größere Schäden
beseitigt. Dann nimmt die Ausstattung der beiden Kirchen großen
Raum ein. Damit die Pfarreigebäude überhaupt genutzt werden
können, werden sie geheizt, gereinigt und beleuchtet. Und für
das Pfarrhaus wird eine neue Spülmaschine angeschafft, wenn die
alte den Geist aufgibt. Unter Pfarrer Lindenberger wurden große
Neuerungen durchgeführt, mit fachlichen und finanziellen Hilfen
des Ordinariat sowie mit den Empfehlungen des Bauausschusses, der
sich aus Mitgliedern der Kirchenverwaltung und des PGR zusammen setzte.
Das Ergebnis überzeugt: Eine Stele inmitten neuer Ausmalung,
ein neuer Altar, als Vervollständigung, eine neue Heizung und
ein neuer Taufort in der Pfarrkirche. Nebenbei wurden der obere und
untere Pfarrsaal renoviert. Als Umweltschützer ließ Pfarrer
Hans Lindenberger mit einem einstimmigen Kirchenverwaltungsbeschluß
noch eine vielbeachtete Photovoltaik-Anlage installieren. "Vor
sechs Jahren habe ich als erstes erlebt, wie dieser Stromerzeugungsapparat
auf dem Dach montiert wurde", erinnert sich Reinhold Fischer.
"Danach sah ich mir als Bauspezialist vor Ort an, welche Mängel
abzustellen waren, damit kein größerer Schaden entsteht.
Besonders freue ich mich nun über die Renovierung der Jugendräume:
Gerade wird das 'Aschenputtel' Keller etwas herausgeputzt mit einer
Elektroinstallation, die den modernen Anforderungen gerecht wird.
Dazu dürfen die Jugendlichen neue Schränke kaufen und Malerfarbe
zum Selberstreichen."
Neben den Hilfen des Ordinariats kommt der Pfarrei für größere
Bauaufgaben finanzielle Unterstützung durch den Kirchenbauverein
zugute. Dieser Verein war am 19.02.1899 gegründet worden mit
dem Ziel, eine größere Kirche zu bauen. Ein Immobiliengeschenk
von der Gemeinde Moosach (vertreten durch den damaligen Bürgermeister
Valentin Netzer) an die Pfarrei gab dem Vorhaben das nötige Polster.
Der Verein stellt auch heute noch finanzielle Mittel bereit für
Vorhaben, die der Vereinssatzung und der Gemeinnützigkeit entsprechen.
Ein neues Orgelprofil
Voriges Jahr wurde ein Orgelausschuss eingerichtet, der ein Profil
für eine mögliche Orgel erarbeitet, die perfekt für
St. Martin passt und auch noch zu finanzieren ist. In dieses Fachgremium
wurden der Kirchenmusiker, der Orgelsachverständige des Ordinariats,
Mitglieder des Kirchenchors, des PGRs und der Kirchenverwaltung berufen.
Caren Ringer gehört dazu: "Ich schätze bisher die gute
Zusammenarbeit in der Kirchenverwaltung. Das gemeinsame Abwägen
erlebe ich als sachorientiert und konstruktiv. Deswegen freue ich
mich auf die neue Arbeitsperiode." Caren Ringer ließ sich
in den PGR entsenden, um einen Informationsfluss zwischen den beiden
Gremien zu gewährleisten. Ihr entsprechender Partner heißt
Dieter Steffens aus dem PGR, der die Sitzungen der Kirchenverwaltung
besucht.
Die Einnahmen
Knappe 57% des Haushaltes erhält die Pfarrei St. Martin vom Ordinariat
in München, denn die Kirchensteuer wird insgesamt vom Land Bayern
eingezogen und an die Diözesen weitergeleitet. Nach einem festgelegten
Schlüssel werden die Kirchensteuermittel an die Pfarreien verteilt.
Sie bilden das Haupteinkommen der Pfarrei, das sie am Leben erhält.
Immerhin 16% ihrer Einnahmen erhält die Pfarrei St. Martin aus
Wohn- und Veranstaltungsmieten ihrer Gebäude und 16% aus Eigenbeteiligung
und Zuschüssen für Fahrten, wie für die religiösen
Tage der Orientierung an der Leipziger Hauptschule und für das
Zeltlager. 8% Pfarrei-Einkommen kalkuliert die Kirchenverwaltung aus
Kirchgeld, Kollekten und Spenden, wobei von diesen freiwilligen Zahlungen
nur ungewidmete in der Gemeinde verbleiben. Adveniat-, Misereor- und
Renovabis-Sammlungen (um nur drei große Kollekten zu nennen)
werden weitergeleitet. Einzig das Kirchgeld und Spenden für Aktivitäten
in der Pfarrei kommen ausschließlich der Pfarrei zu Gute. Kirchenverwaltungsmitglied
und Kirchenpfleger Udo Reiner erklärt: "Diese Zahlen sollen
einen kleinen Einblick in unsere Tätigkeit geben, die mit einigem
Fingerspitzengefühl verbunden ist. 57 % unserer Mittel bekommen
wir als Zuschuss vom Ordinariat. Dieser Betrag war in den letzten
Jahren jedoch eingefroren, obwohl die Gehälter entsprechend der
tariflichen Erhöhungen gestiegen sind. In diesem Fall fanden
wir nur den Ausweg, die Pfarreimitglieder um ihren Beitrag beim Kirchgeld
zu bitten und auf ihre Spendenbereitschaft zu bauen, die sie immer
wieder bei vielen Gelegenheiten beweisen. Auch diesem Pfarrbrief liegt
wieder die Kirchgeldtüte bei. Und wir bitten, uns bei der schwierigen
Finanzsituation großzügig zu unterstützen, damit in
St. Martin Moosach die vielen Aktivitäten weitergeführt
werden können."
Eva Speckner
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