Der Zug rollt

Mit dem Bild des Zuges versuche ich Ihnen einige Informationen und Einschätzungen zum Stand, genauer zum Prozess, unseres Pfarrverbands nahezubringen. Zu sachlichen "Fakten" gesellen sich im Folgenden also auch subjektive Einschätzungen. Eine Diversität der Meinungsbildung soll dadurch nicht ausgeschlossen werden.

Fakt ist, dass seit 1. Januar 2017 der gemeinsame Haushalts- und Personalverbund existiert. Die Angestellten für Büro, Buchhaltung, Kirchenmusik und Räumlichkeiten haben als gemeinsamen Arbeitgeber die Trägerpfarrei St. Martin. An den Aufgaben ändert sich nichts, lediglich einige Büroaufgaben wurden untereinander neu sortiert.

Der Haushaltszuschuss der Erzdiözese geht an die Zentralpfarrei und wird dort verwaltet. Von dort werden alle Rechnungen überwiesen. Die Gebäude und Besitztümer der drei Pfarreien bleiben diesen selbständig erhalten.

Für die Haushaltsgerechtigkeit und alle Personalangelegenheiten (außer Kindergarten- und Seelsorgeteam) sorgt der neu gegründete Haushalts- und Personalausschuss (HuP), dem die drei Kirchenpfleger und weitere Mitglieder angehören. Der ehrenamtliche Verbundspfleger überwacht den Haushalt und arbeitet in allen Angelegenheiten eng mit dem Pfarrer und dem (bis Redaktionsschluss noch nicht gefundenen) hauptberuflichen Verwaltungsleiter zusammen. Der Verwaltungsleiter – vermutlich ein Betriebswirt / eine Betriebswirtin mit Bachelor oder vergleichbarer Ausbildung, von der Erzdiözese angestellt und als Stellvertretender Kirchenverwaltungsvorstand in allen drei Kirchenstiftungen eingesetzt – ist Vorgesetzter des Personals (nicht Kindergarten- und Seelsorgeteam), dem Pfarrer unterstellt und arbeitet den Pfarreien in möglichst vielen Angelegenheiten zu (Bau, Personal, Haushalt, Vorbereitung der Sitzungen, Überwachung von Vorschriften etc.). Dafür stehen ihm 27 Stunden pro Woche zur Verfügung (Schlüssel nach Katholikenzahl). Angesichts der Tatsache, dass es die Stelle bisher gar nicht gibt und die Arbeit bis jetzt nur durch Pfarrer, zwei Seelsorger und viele Ehrenamtliche geleistet wird: ein echter Fortschritt, auch wenn es nicht ausreichend erscheint.

Die Vorsitzende des Verbandsrats (PVR), Frau Rita Spangler, hat im HuP Gast- und Rederecht, analog wie es bei den Kirchenverwaltungen die PGR-Vorsitzenden haben. Der PVR hat ja schon länger seine Arbeit aufgenommen und sorgt für eine gute Koordinierung aller Angelegenheiten, die alle drei Pfarreien betreffen.

Der Pfarrverbandszug mit all seinen Waggons
nimmt Fahrt auf

Ein Verbund der Kindergärten ist noch nicht in Sicht. Die Zusammenarbeit auf der bisherigen Grundlage funktioniert aber recht gut (großes Dankeschön an alle Beteiligten!).

Drei weitere Baustellen sind noch offen:
Seelsorgeteam: Die Stelle von Frau Singer und die ganze Priesterstelle sind ausgeschrieben. Beten wir, dass wir gute Leute bekommen!

Pfarrheime, Räumlichkeiten, Altes Pfarrhaus: In Frieden Christi und St. Mauritius sind kleinere, aber sehr wichtige Maßnahmen in Sicht. St. Martin wurde wieder einmal vertröstet, diesmal auf Mitte März. Für mich eigentlich bisher die größte Enttäuschung: Wie kann man ein solches Projekt der Strukturreform in Gang bringen, ohne für effektive Rahmenbedingungen zu sorgen!?!

Pastoralkonzept: Wegen der Unklarheit bezüglich der künftigen Seelsorger und der Gebäude haben wir uns aus einem Pilotprojekt wieder verabschiedet. Die Sache ist sinnvoll: Pfarreien entwickeln Ziele und Konzepte, welche pastoralen Schwerpunkte in den nächsten Jahren verfolgt werden sollen. Das mündet ein in die Stellenausschreibungen der pastoralen Mitarbeiter und wird abgeglichen mit dem „Kompetenzkanon“. So soll gewährleistet werden, dass der Pfarrverband die Seelsorger bekommt, die gut zu ihm passen – eigentlich eine gute Idee!

Der Zug rollt. Der Pfarrer ist derzeit Lokführer und Zugbegleiter zugleich. Weitere Zugbegleiter sind die Seelsorger. Die Angestellten der Kirchenstiftung sind die Heizer, Techniker, Bistrobetreuer; sie halten den Zug am Laufen. Die Ehrenamtlichen sind teilweise Kontrolleure, teilweise bestimmen sie die Fahrtstrecken, das Tempo und die Haltestellen. Irgendwann kommen noch drei Kindergartenwaggons dazu. Unsere Gebäude sind die anderen Waggons. Der Verwaltungsleiter soll ein aufmerksamer und fleißiger Lokführer sein, damit der Pfarrer als Zugchef entlastet ist und sich um die Sorge für die Mitfahrenden zu interessanten, gemeinsam Zielen kümmern kann.

In den Waggons Frieden Christi, Martin und Mauritius sitzen ganz unterschiedliche Reisende. Das gemeinsame Ziel ist das Reich Gottes. Auf welcher Strecke wir dieses Ziel erreichen wollen, ist Aufgabe unserer Verständigung. Wie die Waggons ausgestattet sind, kann sehr individuell sein: Kinder-, Jugend- oder Seniorenabteile, Musikabteile, soziale Anlaufpunkte, Wanderabteile, Ruheabteile… Die entsprechenden Informationen stellt ja unser Pfarrbrief und vielleicht bald ein neuer Internetauftritt zur Verfügung.

Der Zug rollt. Manchmal ruckelt er noch an einigen Weichenstellungen. Manche schimpfen, dass der Lokführer zu langsam fährt – oder zu schnell. Manchmal gibt es unerwünschte Stoppsignale auf freier Strecke. Mancher Fahrgast steigt aus – andere steigen ein. Es gibt auch Personalwechsel. Aber ich glaube schon, dass wir stolz sein können, dass aus drei kurzstreckigen Regionalbahnen ein interessanter Fernzug geworden ist. Mobilität für das Paradies!

Martin Cambensy,
Leiter des Pfarrverbands

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