Pfingsten, das vergessene Fest

Das Meinungsforschungsinstitut Emnid hat etwa 1000 Menschen die Frage gestellt: "Was feiern wir an Pfingsten?". 47 % der Befragten kannten die Antwort, die Entsendung des Heiligen Geistes. Es wurden aber auch genannt: die Auferstehung Jesu, Mariä Himmelfahrt und Jesu Kreuzigung. 23 % der Befragten hatten keine Ahnung. Salopp gesprochen könnte man auch sagen, Pfingsten, das bedeutet Ferien für die Kinder und ein Feiertag für die Erwachsenen. Vor einigen Jahren gab es sogar den Wunsch mehrerer Wirtschaftsverbände, den Pfingstmontag zu einem Arbeitstag zu erklären, um die Konjunktur anzukurbeln.
Weihnachten mit der Geburt Jesu Christi und Ostern, an dem das Licht die Nacht erhellt, spricht für sich. Pfingsten ist dagegen arm an Symbolen. Die Taube als Zeichen des Heiligen Geistes hat sich in der Friedensbewegung einen Platz verschafft.
Im Vergleich zu Weihnachten und Ostern ist Pfingsten kein Fest, das der Handel als potenzielle Einnahmequelle erkannt hat. Lediglich bei Urlaubsreisen ist es attraktiv, dies ist aber den Pfingstferien der Schulkinder und der meist milden Temperaturen um diese Jahreszeit geschuldet.
Pfingsten ist jedoch kein Fest, das auf sich allein gestellt ist, sogar sein Datum ist abhängig vom Datum des Osterfests.
In der Eröffnung des Hochgebets an Pfingsten heißt es: "Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast."
Damit kann Pfingsten als Fortführung von Ostern gesehen werden.
Aus kirchlicher Sicht gilt Pfingsten als die Geburtsstunde der Kirche. In der Apostelgeschichte wird erzählt, dass der Heilige Geist am Pfingsttag auf die Jünger herabkam. Als erstes Ergebnis bekamen die Jünger die Fähigkeit, in anderen Sprachen zu sprechen und diese zu verstehen. In der Bibel lassen sich in Folge dieses Ereignisses zahlreiche Menschen taufen und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft. In dieser Urgemeinde nannte keiner etwas sein Eigentum, sondern alle hatten alles gemeinsam (Apg 4,32). Die Bekehrung des Saulus, nach dem Pfingstereignis, sowie die Reisen des Paulus tragen entscheidend zur Weiterverbreitung des christlichen Glaubens bei.

Bild: Friedbert Simon / Künstler: Polykarp Uehlein,
Pfarrbriefservice.de

Theologisch gesehen steht Pfingsten für die Mission der Kirche, alle Menschen unabhängig von ihrer Sprache und Nationalität anzusprechen und die Frohbotschaft zu verkünden.
Dennoch ist Pfingsten für viele ein schwer zu fassendes Kirchenfest.
Für zahlreiche Christen bleibt das Verhältnis zum Heiligen Geist abstrakt. Damit sind sie in guter Gesellschaft. Als Paulus in der Apostelgeschichte (Apg 19,2-3) die Anhänger Jesu fragt, ob sie den Heiligen Geist empfangen hätten, ist die lapidare Antwort: "Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es den Heiligen Geist gibt."
Gehört hat man inzwischen von ihm, immer wieder: "Ich glaube an den Heiligen Geist", heißt es im Glaubensbekenntnis. Auch die Firmung wird immer im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist gesehen. Nicht ohne Grund legt der Firmspender dem Firmling die Hände auf und sagt: "Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist." Mit der Firmung wird dem Firmling die Verantwortung übertragen, in der Kraft des Heiligen Geistes als Zeuge Jesu Christi den Glauben durch Wort und Tat zu verbreiten und zu verteidigen und so zum Aufbau und Wachstum des Leibes Christi, der Kirche, beizutragen.
Papst Johannes XXIII. wollte auch zu diesem Aufbau und Wachstum beitragen und hat 1962 das 2. Vatikanische Konzil eröffnet. Er sprach von einem "neuen Pfingsten", das die Barrieren zwischen Kirche und Welt, aber auch innerhalb der Kirche überwinden solle.
Eines der ganz großen Geschenke des Konzils an die Kirche war die Wiederentdeckung, dass Kirche als Ganzes in all ihren Gliedern – Laien und Geistlichen – das eine pilgernde Volk Gottes ist. Vor allem die Laien in der Kirche nahmen begeistert auf, dass sie nicht nur zur Kirche gehören, sondern die Kirche sind, in dem jeder Einzelne Mitverantwortung trägt.
Insbesondere in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche "Lumen Gentium" finden sich Texte über die Aufgaben des Laien in der Kirche. Sie gelten für alle Laien, die durch Taufe und Firmung bestellt sind, und nicht nur für die hauptamtlich Tätigen. In den Gremien der Pfarreien zeigt sich die aktive Mitarbeit der Laien heute in vielerlei Hinsicht.
Auch im liturgischen Bereich sind die Laien seit langem eine große Hilfe. Das Engagement ist begrüßenswert und es kann nicht oft genug dafür Danke gesagt werden.
Angesichts des nicht mehr zu verbergenden Priestermangels scheint es günstig, dass durch das 2. Vatikanische Konzil die Mitarbeit der Laien möglich und sogar ausdrücklich erwünscht ist. Dies birgt die Chance, auch ohne Priester in der Kirche zusammenzukommen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Die Formen dieser Zusammenkünfte sind dann "anders" oder "ganz anders", so die Bezeichnung der besonderen Gottesdienste in unserem Pfarrverband. Gemeinsam ist diesen Gottesdiensten aber die "Sprachenvielfalt", in ähnlicher Weise wie am Pfingstereignis der Bibel. Insofern wäre es wichtig, Pfingsten und der daraus resultierenden Entwicklung mehr Bedeutung zu schenken.

Martin Pöller, Diakon

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