Schweigemeditation im Turm:
Neue Leitung für das "Beten ohne Worte"

"Ich suchte eine Vertiefung meiner Religiosität. Die fand ich in einer Methode befriedigt, die über den Verstand hinausgeht," berichtet Mechtild Jaeger von ihrer religiösen Suche und ihren Erfahrungen mit der Schweigemeditation: "Als ich so da saß auf meinem Gebetshöckerchen, da kam ich erst einmal richtig ins Denken. Wie Automaten marschierten meine Gedanken fix und fertig durch mein Gehirn. Allmählich lernte ich, sie aus der Distanz anzuschauen, sie dasein zu lassen, aber mich nicht an sie zu binden: So kam ich zur Ruhe. Und in dieser Ruhe erhalte ich eine Ahnung von einer Grundverbundenheit mit allem. Ich erlebe meine Existenz als sinnhaft. Da mache ich nichts mit dem Verstand, das ist einfach da und überwältigend."

Mechthild Jaeger, Günter Blos, die Leiter

Die Anfänge unter Pfarrer Lindenberger
Im Januar 1996 ließ der damalige Moosacher Pfarrer Hans Lindenberger einen ungenutzen Raum in etwa 10 Metern Höhe im Kirchturm von St. Martin herrichten in einer Schlichtheit, die genau richtig ist für das Leerwerden vor Gott, wie die christliche Kontemplation es anstrebt. In Mechtild Jaeger und Beate Höß-Zenker fand der heutige Prälat Lindenberger die ersten Leiterinnen. Unter seiner Werbung und mit seiner Anwesenheit fand sich schnell eine feste Gruppe von etwa acht Mitgliedern für drei Mal 25 Minuten Sitzen vor einer Blumen umsäumten Mitte, deren Kerze das göttliche Licht symbolisiert.

"1995 wurden die Exerzitien im Alltag erstmalig in den Gemeinden durchgeführt," erinnert sich Mechtild Jaeger. "Da kamen viele Teilnehmer zum Schnuppern zu uns. Doch die fehlenden Texte und Impulse, die fehlenden Anleitungen und Bewegung, das hat sie irritiert. Nur die Geübten blieben, wie auch der jährliche Einkehrtag von Günther Lohr, dem Exerzitienbeauftragten der Erzdiözese München und Freising, jeden November meist von Vertrauten der Meditation besucht wird."

Der Übungsweg: Regelmäßig wieder am Anfang
Seit nunmehr 20 Jahren sitzt Mechtild Jaeger regelmäßig zuhause und wöchentlich Dienstag ab 19.00 Uhr im Schweigen, nach einigen Jahren mit Alfred Bäuml als zweitem Leiter, ob in sommerlichem Lüftchen oder im Winter neben dem Heizlüfter - und sie empfindet sich regelmäßig wieder "am Anfang" mit ihrem Üben. Nun hat sie die Leitung an Günter Blos übergeben, den sie bei der Missionsbenediktinerin und Zenmeisterin Ludwigis kennen lernte, bei der sie selbst Vertiefung und Einweisung in das Aussetzen ins Nichts suchte.

Günter Blos sitzt zwei Mal jährlich 14 Tage lang im Schweigen. Nach seiner Ausbildung zum Zen- und Kontemplationslehrer bei Schwester Ludwigis ist das für ihn kein Problem mehr. "Sobald es an die schweigende Schau des All-Einen geht, decken sich die Erfahrungen von Mystikern aller Religionen. Sie alle streben nach der Absichtslosigkeit, nach dem Absehen von der eigenen Person, denn sie steht vor der reinen Erkenntnis," führt der Obermenzinger aus, der seine Passion mit seiner Frau teilen kann. "Ein Gebet ohne Worte ist das Sitzen für mich, kein 'Gebetsgeschäft' mit Gott. Und wenn ich ganz still geworden bin, dann fühle ich, dass alles in Ordnung gebracht ist im Kosmos, dass ich aufgenommen bin."

Die Gelassenheit üben in der Gruppe
Seit drei Jahren sitzt der ehemalige Unternehmer auch in Moosach im Kirchturm und auch er genießt die besondere Atmosphäre hier oben. Wenn sich die Gruppe versammelt hat, lädt ihre schweigende Dynamik den Raum noch mehr mit Konzentration auf. Sieglinde S., ein Gruppenmitglied, schwärmt von ihrer ersten Begegnung. "Ich spürte gleich: 'Diese Ausstrahlung tut mir gut', und seitdem komme ich immer wieder und tauche ein in diese Gelassenheit."

Eva Speckner
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