Pfarrei-Fahrt nach Sizilien

Neun Tage lang erlebten 43 Pfarreimitglieder Sizilien, unter der liebevollen, kulturgeschichtlich kompetenten, wie reise-erfahrenen Führung von Dr. Irmgard Jehle und Pfarrer Cambensy. Auf den Spuren des Paulus, Teil 3 lautete die Überschrift seines kleinen geistlichen Wegbegleiters, und Wandlungen jeder Art (wie die des Paulus), konnten wir auf dieser Reise gut erfahren.

Die Reisegruppe

Regengeschwängerte Nebelschwaden umfingen uns auf dem Ätna in 3000 Metern Höhe, aufsteigend aus den endlosen düsteren Lavaebenen, als seien sie Vulkandampf. Der Regentag schuf eine Stimmung der Ödnis wie bei der Erschaffung der Welt im Alten Testament. Und doch zeigten sich bei unserem Abstieg als Boten des neuen Lebens leuchtend gelbe Pflanzenpolster auf
dem schwarzen Gestein. Denn nur zehn Jahre nach jedem Ausbruch quillt die Gegend über vor üppiger Vegetation und überreichen Ernten, vor kräftigem Wein und Mandeln, vor Palmen und Bananenstauden, die in Taormina Reisende aus der ganzen Welt verzaubern.

Aufstieg zum Ätna

Dem Wandel spürten wir nach in Syrakus: Eine der mächtigsten Städte der Magna Graecia und des Römischen Reiches entwickelte sich nach seinem Niedergang zum modernen Industriezentrum mit gesichtslosen Wohnblöcken, in dem nur noch eine winzige Altstadt auf der Halbinsel Ortygia an die ruhmreiche Vergangenheit erinnert.

Impressionen in Syrakus

Die weltberühmten mythenstrotzenden Mosaiken in der Villa del Casale, wurden von einem Mann in Auftrag gegeben, der sein Vermögen mit dem systematischen Zerfleischen von Menschen gemacht hatte. Er beschaffte das Großwild für die Zirkusspiele der römischen Kaiserzeit; er bescherte der Welt aber auch hinreißende Tierportraits und elegante Darstellungen vom schwerreichen Alltag einer römischen Patrizierfamilie. Die technisch wie künstlerisch herausragenden Bildteppiche begeisterten auch uns Besucher von St. Martin.

Rast am Elefantenbrunnen in Catania

Bei Agrigent spazierten wir auf einer Prachtstraße der griechischen Antike von Tempel zu Tempel, immer mit Blick aufs tiefblaue Meer. Diese Meisterwerke der Architektur beeindruckten uns mit ihrer Monumentalität und Perfektion, mit ihrer einmaligen Harmonie der Säulenreihung. Geschaffen wurden diese Werte allerdings, um die Gegner von Agrigent schon von weitem durch die Potenz eines mächtigen Stadtgottes
zu verunsichern.
Auch der Normannendom von Cefalù findet sich mit seinem Bedeutungswandel ab: Die äußerlich schlichte Wehrkirche bezauberte uns innen mit "Meditationsbildern" der byzantinischen Goldmosaiken. Die von Arabern ausgeführte Kirchendekoration zeigte uns die einende Toleranz im damaligen Vielvölkerstaat - heute vereinen sich Touristen aus aller Welt auf dem Domplatz von Cefalù in ihrem Bedürfnis nach Entspannung und Selbstfindung, wenn auch nur bei einer Tasse Espresso.

Gottesdienst in den Katakomben von San Giovanni

Als Krönung der Erlebnisse und als Krönung an Wandelbarkeit beschloss Palermo, dessen heruntergekommene Paläste und Kirchen nun Stück für Stück renoviert werden, unsere Reise. Neben Verfall und Armut blühten üppige Fassaden, unterkühlte Szenebars und lebenssprühende Märkte. Beides brachte uns das Lebensgefühl der Inselhauptstadt nah. Satt an Eindrücken wie an Begegnungen trafen wir nun gewandelt in Moosach ein, und wir freuen uns schon auf eine neuerliche Gemeindewallfahrt im nächsten Jahr.

Eva Speckner

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